„Hier würde ich Mauern abbauen, statt sie aufzubauen.“ 

Bild mit Tochter

Ein Kennenlernen mit Martina Fuchs, unserer neuen Schulleiterin an der Deutschen Schule Budapest 

Martina Fuchs verfügt über 29 Jahre umfassende Berufserfahrung im Bildungsbereich und leitete 16 Jahre lang erfolgreich das Gymnasium Unterrieden in Sindelfingen. Zuvor war sie unter anderem in der Lehrerausbildung, der Fachberatung und der Schulaufsicht beim Regierungspräsidium Stuttgart tätig. Von 2019 bis 2023 übernahm sie zusätzlich die Funktion der geschäftsführenden Schulleiterin der Sindelfinger Gymnasien. Ihre besonderen Schwerpunkte liegen in der Schul-, Unterrichts- und Personalentwicklung, im modernen Schulmanagement sowie in der Digitalisierung und internationalen Ausrichtung von Schulen. Unter ihrer Leitung wurde das Gymnasium unter anderem als MINT-Schule, „Digitale Schule – Best Practice“ und Europaschule ausgezeichnet. Nun möchte sie ihre langjährige Führungserfahrung, ihre pädagogische Leidenschaft und ihre Begeisterung für innovative Schulentwicklung an der Deutschen Schule Budapest einbringen.


DSB: Ich habe bereits von Ihrem nicht alltäglichen Hobby gehört. Wie sind Sie zum Heimwerken gekommen? 

MF: Das liegt wohl daran, dass meine Familie immer in eigenen Häusern gelebt hat. Da gibt es ständig etwas zu tun. Da mein Mann handwerklich vollkommen unbegabt ist, habe ich irgendwann selbst angefangen, weil ich die anstehenden Arbeiten nicht mehr sehen konnte. Zunächst waren es kleinere Dinge, und ich merkte, dass sie mir wirklich gut gelangen. Die Projekte wurden dann immer größer. Irgendwann hieß es: „Wir brauchen eigentlich keinen Handwerker. Kannst du hier die Fliesen legen?“ Das habe ich gemacht – und es hat funktioniert. Danach habe ich ein Badezimmer ausgebaut, eine Dusche eingebaut und schließlich meine ersten Fenster eingesetzt. Bei den ersten Fenstern musste mir mein Mann helfen, weil sie so schwer waren. Dabei war er allerdings häufig schlecht gelaunt, weshalb ich irgendwann sagte: „Bleib lieber weg, ich mache das.“ 

Später haben wir uns ein Ferienhaus in Frankreich gekauft, das an einem Hang liegt und an dem noch sehr viel von Grund auf zu tun war. Da ich Geografin bin, habe ich mich in verschiedene Hangstütztechniken eingearbeitet und statische Möglichkeiten gefunden, den abrutschenden Hang zu stabilisieren. Rund 1000 Kubikmeter Hang wurden mit Stahlbetonstützmauern und Bewehrungsstahl gesichert. An meine Grenzen komme ich allerdings, wenn ich sehr schwere Lasten heben muss. Bis etwa 40 Kilogramm ist es in Ordnung. Für mein jüngstes Projekt habe ich deshalb an unserem 46 Meter langen Hang in Frankreich einen elektrisch betriebenen Seilaufzug gebaut, der das gesamte Material nach unten transportiert.

 

„Eines meiner Bauprojekte an Ostern 2026 in Frankreich: eine Stützmauer mit Bewehrungsstahl.“
„Bau eines 46 Meter langen, elektrisch betriebenen Aufzugs in Frankreich für den Lastentransport.“

 

DSB: Wie lernen Sie solche Dinge? Sehen Sie sich beispielsweise Videos im Internet an oder haben Sie jemanden, mit dem Sie sich darüber austauschen können? 

MF: Meistens recherchiere ich zunächst die fachlichen Grundlagen, beim Hang zum Beispiel die Materialkunde. Manchmal sehe ich mir auch einige Videos an. Bei vielem kann ich jedoch gar nicht genau erklären, warum es funktioniert: Ich sehe mir etwas an und kann es anschließend umsetzen. Ich kann auch Maschinen reparieren, ohne vorher genau zu wissen, wie das betreffende Bauteil heißt. Kürzlich habe ich beispielsweise meinen Wäschetrockner repariert, nachdem ich gesehen hatte, wie teuer ein Kundendienst wäre. Also habe ich die Keilriemen selbst eingebaut. Mittlerweile habe ich mir eine vollständige Profiwerkstatt eingerichtet. Es fällt mir schwer, sie zurückzulassen. Ursprünglich war sie nur ein baufälliger Schuppen, den ich komplett ausgebaut habe – einschließlich Dach, Wänden und Fenstern. Jetzt, da alles fertig wird, gehe ich weg. (lacht) In meiner Werkstatt steht außerdem eine sehr leistungsstarke Musikanlage. 

„Einer meiner Lieblingsorte: meine Werkstatt. Leider herrscht dort momentan völliges Chaos. Die beiden Räume entstanden durch die Renovierung eines baufälligen Schuppens.“

DSB: Welche Musik hören Sie? 

MF: Meine musikalische Bandbreite ist groß. Ich höre sehr gern klassische Musik, daneben aber auch etwas Folk und teilweise Folklore. In letzter Zeit habe ich viel brasilianischen Fado gehört und sogar ungarische Musik entdeckt. Es ist interessant, dass ich anhand einzelner Wörter im Gesang zunehmend etwas verstehe. Auch das ist eine Form der Begegnung mit der Sprache, der Musik und der Kultur. Darüber hinaus liebe ich Punk, Punkrock und Heavy Metall. Es gab sogar eine Phase, in der ich russischen Punk gehört habe – das war schon ziemlich abgedreht. 

DSB: Wie entdecken Sie solche ungewöhnlichen Musikrichtungen? 

MF: Ich höre keinen Mainstream; die Hitparade finde ich langweilig. Natürlich gibt es dort gelegentlich schöne Lieder, aber nach zweimaligem Hören habe ich meist genug davon. Wenn ich dagegen in der Werkstatt Heavy Metall, Punkrock oder Speed Metall höre, steckt darin eine Energie, die mir gefällt. Grundsätzlich mag ich alles, was ein wenig ungewöhnlich ist. 

Auch ungewöhnliche Schülerinnen und Schüler sowie herausfordernde Menschen mag ich gern. Ich mag vieles, nur keine Langeweile, und freue mich über Überraschungen im Leben – hoffentlich positive. (lacht) Ich bin nicht grundsätzlich ungeduldig und kann durchaus Geduld aufbringen. Aber ich möchte immer vorankommen; bei Stillstand werde ich unruhig.


Auch bei Schülerinnen und Schülern finde ich es spannend, wenn mich jemand durch ein schwieriges oder „anderes“ Verhalten herausfordert,


weil ich dann schnell reagieren muss. Bei den ruhigen und angepassten Schülerinnen und Schülern muss ich dagegen selbst agieren und motivieren – das empfinde ich manchmal als schwieriger.

DSB: Das heißt, Sie begegnen auch schwierigeren Fällen mit Offenheit? 

MF: 


Ich liebe es, wenn es etwas zu tun gibt.


Natürlich können Situationen auch kippen und unangenehm werden. Wenn sie persönlich werden oder Verletzungen im Spiel sind, ist das schlimm. Wenn es jedoch „nur“ um Verhaltensfragen geht, etwa weil ein Schüler freche Antworten gibt, oder wenn Eltern wieder erreicht werden müssen, dann sind das Herausforderungen, die ich gern annehme. Mich reizen Situationen, die überraschend sind und einen anderen Lösungsweg erfordern – das Spezielle, die eigentliche Herausforderung in der Arbeit mit Menschen. 

Selbstverständlich brauchen wir auch die unkomplizierten Schülerinnen und Schüler, und ich bin für jeden von ihnen dankbar. Aber diejenigen, die ausgegrenzt werden oder die niemand mag, finde ich besonders interessant, weil man genau hinsehen muss, warum sie so sind. Diese spannenden Charaktere möchte ich verstehen und entschlüsseln. Das führt aus dem gewohnten Alltag heraus. Insofern finde ich besondere Menschen ausgesprochen interessant.

DSB: Sie waren lange Zeit Schulleiterin in Sindelfingen, und in diesen Jahren ist sicherlich einiges geschehen. Gibt es einen konkreten Fall, an den Sie sich bis heute erinnern, weil er Sie besonders berührt hat? 

MF: Davon gibt es sehr viele. Während meiner gesamten beruflichen Laufbahn, auch schon als Lehrerin, habe ich Todesfälle von Schülerinnen und Schülern sowie Kolleginnen und Kollegen erlebt, aber ebenso die Freude über viele neugeborene Kinder im Kollegium geteilt.


In einer Schulgemeinschaft erlebt man Freud und Leid gemeinsam. 


Auch bei Schülerinnen und Schülern gibt es eine große Bandbreite an schönen, aber ebenso belastenden Situationen, die einen berühren und begleiten. Das reicht von einem Kind, das von zu Hause weggelaufen ist, oder einem verschwundenen Kind, nach dem gesucht werden muss, bis hin zu Suizid- und Amokandrohungen oder Kindern, die psychisch zusammenbrechen. Ich hatte auch schwierige Eltern, die mich beispielsweise körperlich bedroht haben. Um mich gegen Angriffe von außen zu schützen, musste ich schon häufiger mit der Polizei zusammenarbeiten.

Auf der anderen Seite gibt es wunderschöne Erlebnisse: Eltern, die ich nie persönlich kennengelernt habe, schicken mir plötzlich einen Blumenstrauß, um sich zu bedanken. Dabei war mir gar nicht bewusst, dass ich in diesem Moment etwas Besonderes für ihr Kind getan hatte, weil es für mich lediglich eine Kleinigkeit war. Für die Eltern hatte es jedoch eine große Bedeutung. Das war sehr schön und überraschend. Dazu kommen wunderbare Gespräche mit Menschen, die mir ans Herz wachsen und mit denen eine enge Verbindung entsteht. Oder ich gehe über den Schulhof und eine ganze Klasse ruft: „Hallo, Frau Fuchs!“ Auch das finde ich einfach großartig.

„Meine frühere Schule: das Gymnasium Unterrieden. Hier war ich zuvor 16 Jahre lang Schulleiterin.“

 

DSB: Nach einer so langen Zeit ist Ihnen der Abschied wahrscheinlich sehr schwergefallen, oder? 

MF: Ein Abschied vollzieht sich in unterschiedlichen Phasen. Natürlich werden mir einige Menschen und besonders lieb gewonnene Kolleginnen und Kollegen fehlen. Seit meiner Bewerbung für den Auslandsschuldienst und seit feststand, dass ich die Stelle annehmen würde, hatte ich Zeit, mich allmählich zu lösen. Alles hat seine Zeit. Diese Menschen werde ich privat nicht verlieren; wir bleiben in Kontakt, und ich bin schließlich nicht aus der Welt. Heute gibt es hervorragende technische Möglichkeiten, um sich unkompliziert per Video auszutauschen. 

Bei den Schülerinnen und Schülern ist es natürlich schwieriger. Ich habe mehrere Generationen bis zum Abitur begleitet, bin allerdings auch daran gewöhnt, dass sie die Schule verlassen und später zurückkehren. Manchmal stehen plötzlich ehemalige Schüler vor mir, die inzwischen z.T. Ingenieure geworden sind und ihre eigenen Kinder an der Hand halten. Das ist schon bewegend, gehört aber gewissermaßen zum Schulalltag.

“Meine Tochter Antonia und ich.”

Schwerfallen wird mir, dass meine Kinder in Deutschland bleiben.


Sie brauchen mich nicht mehr, kommen gut zurecht, sind wirklich erwachsen und gehen ihren eigenen Weg. Ich habe vier Kinder, die mich als Mutter gelegentlich auch sehr geärgert und genervt haben. Wenn sie jedoch nicht mehr in meiner Nähe sind, ist das ebenfalls schrecklich. Trotzdem ist dieser Schritt richtig.  

Auch meine bereits hochbetagten Eltern zurückzulassen, fällt mir nicht leicht. Mein Vater ist inzwischen 89 Jahre alt, meine Mutter Mitte 85, beide sind noch fit. Natürlich werde ich sie öfter kontaktieren, um zu erfahren, wie es ihnen geht. Außerdem sind meine vier Kinder vor Ort – sie bilden sozusagen die schnelle Eingreiftruppe. 

“Unser großes Abschiedsfest in Stuttgart für Freunde und Familie”​

DSB: Was wird Ihr Mann, der Sie nach Budapest begleitet, hier machen? 

MF: Er hat ein Hobby, das ihn sehr beschäftigt: Er interessiert sich für Warhammer und Fantasy und liest viele Geschichtsbücher. Auch Brettspiele mag er sehr gern und mittlerweile ist er ein absoluter Experte für Solarenergie und Wärmepumpen. Vielleicht wird er ein wenig in der Nachmittagsbetreuung mitarbeiten und sich an der Deutschförderung beteiligen. Ich denke, das wäre eine Win-win-Situation. 

Dass er sich darauf einlässt, hat mich sehr überrascht, denn in Sindelfingen hat man ihn an der Schule fast nie gesehen. Eigentlich bin ich deutlich abenteuerlustiger als mein Mann. Dass er nun mitkommt und alles mitträgt, ist für ihn sehr ungewöhnlich. Ihm gefällt Budapest, und er fühlt sich hier wohl. Das bedeutet mir sehr viel. 

DSB: Was glauben Sie, woran das liegt? 

MF: Ich glaube, Ungarn wird als Land in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt. Aufgrund meiner persönlichen Verbindung habe ich Ungarn immer etwas anders gesehen. Mein Mann mit seinen Südtiroler Wurzeln war dagegen zum ersten Mal hier. Er kannte das Land nicht und ist gewissermaßen ins kalte Wasser gesprungen. Nun ist er außerordentlich positiv davon überrascht, was hier geboten wird.


 Ungarn fühlt sich für uns außerdem sehr vertraut und vernünftig an,


vielleicht auch, weil wir in Deutschland inzwischen fast zur älteren Generation gehören. Deutschland ist nicht mehr das Land, das wir als Jugendliche und junge Erwachsene kennengelernt haben. Es hat sich stark verändert, und damit tun wir uns nicht immer leicht. In Ungarn fühlen wir uns dagegen sehr gut aufgehoben. Die Straßen sind sauber – auch wenn sie in den Bergen teilweise wirklich schlecht sind –, es gibt kaum Graffiti, keinen herumliegenden Müll, und die Menschen sind ausgesprochen höflich und respektvoll. Es ist sehr ruhig und leise, etwas, das wir von zu Hause kaum noch kennen. Selbst wenn man an riesigen Hochhäusern entlanggeht, ist es erstaunlich still. Man hört die Vögel zwitschern. Außerdem wirkt alles weniger eng und überfüllt, während deutsche Städte oft unglaublich hektisch sind.

DSB: Es freut mich, dass Ihr erster Eindruck so positiv ist. Wie kommen Sie mit der Sprache zurecht? 

MF: Hier in der Schule natürlich sehr gut. Das Angenehme ist, dass praktisch keine Sprachbarriere besteht. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich bereits alles verstehe. Ich erkenne einzelne Wörter, doch beim Sprechen ist mir vieles noch zu schnell. Wenn ich beispielsweise vor einem Haus stehe und auf einer Tafel „író“ lese, weiß ich immerhin, dass dort einmal ein Schriftsteller gelebt hat. Ich möchte die Sprache auf jeden Fall gern lernen. 

DSB: Sie haben auch ungarische Wurzeln. Wie oft waren Sie bisher in Ungarn? 

MF: Dies ist mein vierter Aufenthalt. Als ich sechs Jahre alt war, war ich bei einem Onkel in Budapest. Später besuchte ich meine Familie im Komitat Baranya in der Gegend um Mohács. An diese Zeit habe ich nur noch wenige Kindheitserinnerungen. Damals herrschte noch der Eiserne Vorhang. 

Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater spricht noch Ungarisch. Er behauptet zwar, seine Sprachkenntnisse seien nicht besonders gut, kann aber durchaus ein Gespräch führen. Meine Familie wurde als Donauschwaben aus ihrer Heimat vertrieben, und mein Vater war mit sechs Jahren auf der Flucht. Er hat Ungarisch also bereits als kleines Kind gelernt. Meine Großmutter sprach die Sprache fließend und sehr gerne.

„Abreise am 2. August – ein halbes Leben in Kisten.“

DSB: War Ihr Vater überrascht, dass Sie nach Ungarn gehen?

MF: Ja und nein. Für ihn war es eine sehr große Freude. Ich teilte ihm am Telefon mit: „Ich habe ein Angebot, nach Budapest zu gehen.“ Er antwortete: „Das ist ja Wahnsinn!“ Für meinen Vater geht es dabei nicht nur um Ungarn und eine Rückkehr zu den Wurzeln. Er findet es auch bemerkenswert, dass ich mit 57 Jahren mein Leben noch einmal grundlegend verändere und diese Herausforderung annehme. Er sagte, dass er diesen Schritt in meinem Alter wahrscheinlich nicht mehr gewagt hätte. Ich dagegen dachte: Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, denn zuvor hatte ich immer familiäre Verpflichtungen. Auch beruflich war für mich nach 16 Jahren an derselben Schule der Moment gekommen, einen neuen Weg einzuschlagen. 

DSB: Nun haben Sie sich mit der neuen Aufgabe ein weiteres Projekt vorgenommen. Welches „Bauprojekt“ würden Sie an unserer Schule angehen? 

MF: Hier würde ich Mauern abbauen, statt sie aufzubauen. Dabei muss man geschickt vorgehen. Beim Abreißen von Mauern muss darauf geachtet werden, dass sie in die richtige Richtung fallen und niemand durch herabfallende Steine verletzt wird. Manchmal ist es notwendig, zunächst einen Gang zurückzuschalten, neu zu justieren und anschließend wieder weiterzubauen. 

Natürlich gibt es auch an dieser Schule Baustellen – die gibt es an jeder Schule. Das Fundament ist hier jedoch bereits vorhanden. Bei allem, was wir nun weiterentwickeln, geht es daher im Grunde um Nachhaltigkeit und Zukunftsausrichtung. Bildlich gesprochen ist das Erdgeschoss fertig, und nun beginnen wir mit dem ersten Stock. Gemeinsam werden wir bestimmen, wie wir weiterbauen.

DSB: Hat sich nach den intensiven Gesprächen mit den Lehrkräften bereits etwas Konkretes herauskristallisiert, das Sie mit uns teilen können? Was möchten Sie verändern? 

MF: Fenster öffnen, frische Luft hereinlassen, durchatmen, einen Neustart wagen, mehr Fröhlichkeit hineinbringen und für Entspannung sorgen. Wir sollten unseren Blick auf den Unterricht richten: Was ist uns wichtig? Wie können wir effizienter lernen? Es geht nicht darum, die Zahl der Unterrichtsstunden oder den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, sondern so zu unterrichten, dass das Gelernte im Gedächtnis bleibt. Im Gegenteil:


Wir sollten den Druck von den Schülerinnen und Schülern nehmen, mit Herz kommunizieren und die Menschen wieder gemeinsam an einen Tisch bringen.


Zunächst ist der Blick auf die gesamte Schulgemeinschaft besonders wichtig. 

Manche Dinge lassen sich relativ schnell umsetzen. Dazu gehören Empathie und gemeinsame Feste in der Schule. Ich denke beispielsweise an eine Schuldisco – auch die Schülerinnen und Schüler sollen hier Freude haben dürfen. Wir verfügen über ein einzigartiges Schulgelände, aus dem sich noch viel mehr machen lässt, vielleicht auch mit einem Schulgarten.

Ich habe sehr viele Ideen, etwa tiergestützte Pädagogik oder einen Schulhund. Dazu gibt es hervorragende Forschungsergebnisse. Auch die Schülervertretung sollte meines Erachtens gestärkt werden, damit sie selbst mehr initiieren kann. In meinen Gesprächen mit den Lehrkräften habe ich bereits von vielen neuen Projekten erfahren, die in ihren Köpfen praktisch fertig entwickelt sind und daher umgesetzt werden könnten. Auch mit Herrn Gombócz habe ich gesprochen; der Fachbereich Sport steht ebenfalls bereit.


Für den Sport könnte ich mir zudem eine Kooperation mit Deutschland vorstellen.


DSB: Darüber werden sich die Sportlerinnen und Sportler an der DSB sicherlich sehr freuen. Treiben Sie selbst auch Sport? 

„Mein Schatzi – Labrador-Mix Bruno.“

MF: In den vergangenen drei Monaten ist der Sport bei mir leider zu kurz gekommen, weil ich kaum Zeit dafür hatte. Normalerweise laufe ich jedoch regelmäßig. Bevor ich im März nach Budapest kam, bin ich beispielsweise noch spontan 16 Kilometer gejoggt. Meistens trainiere ich auf dem Laufband, weil ich meine Durchgangszeiten ganz genau kennen möchte. Das wird nun wieder beginnen. Ich komme aus dem Leistungssport, genauer gesagt aus der Leichtathletik. Deshalb ist bei mir immer die Stoppuhr dabei – ausschließlich „just for fun“ kann ich nicht laufen.

Außerdem haben wir noch unseren Hund Bruno mitgebracht, mit dem wir ebenfalls viel unterwegs sind. 

DSB: Zurück zum Schulalltag: Welche Eigenschaft hilft Ihnen bei persönlichen Begegnungen am meisten? 

MF: Meine emotionale Intelligenz ist gut ausgeprägt. Das bedeutet, dass ich unterschiedliche Gesprächsverläufe und die Dynamik zwischen den Beteiligten schnell erfasse. Dadurch kann ich in vielen Situationen zur Klärung beitragen und Probleme aus dem Weg räumen. Außerdem erkenne ich Strukturen und Zusammenhänge unmittelbar. Eine weitere Stärke ist mein Gedächtnis. Ich schreibe nicht besonders gern und habe mir deshalb angewöhnt, mir Dinge sehr genau zu merken. 

DSB: Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich von unserer Schulgemeinschaft? 

MF: Insgesamt wünsche ich mir eine respektvolle und offene Begegnung. Ich mag es nicht, wenn hinter dem Rücken anderer gesprochen wird. In solchen Fällen spreche ich die betreffenden Personen direkt darauf an und sage: „Sagen Sie es mir doch gleich.“ 

Von den Schülerinnen und Schülern wünsche ich mir, dass sie respektvoll, offen und ehrlich allen begegnen und auch gern zu mir kommen. Von den Eltern wünsche ich mir eine konstruktive Zusammenarbeit: nicht nur zu fordern, sondern auch etwas beizutragen und zugleich wahrzunehmen, was möglich ist und was nicht. Dazu gehört, sowohl die Grenzen der Mitwirkungsmöglichkeiten als auch die Grenzen eigener Wünsche zu erkennen. Vor allem wünsche ich mir aber Vertrauen.

(Das Interview wurde am 09.06.2026 von Dorothea Hildebrand durchgeführt.)

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